Schritte für eine gute Azubiauswahl – Praxisbeispiel

Veröffentlicht am 16. September 2025

Praxisbeispiel vom TOP Ausbildungsbetrieb Bühler Baum und Garten aus Nürtingen, Baden-Württemberg:

 

Im optimalen Fall bekommen wir als Ausbildungsbetrieb zahlreiche Bewerbungen für die Ausbildung , sodass es erforderlich ist, eine Auswahl zu treffen. Die richtige Person für den Ausbildungsstart zu finden ist überaus wichtig. Es ist eine 50.000 € Entscheidung – so viel kostet uns die Ausbildungsvergütung mit Nebenkosten in drei Jahren. In der Zeit wollen wir ein aktives und lernbereites Teammitglied ausbilden, nach Möglichkeit mit der Perspektive Übernahme in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis.

Bei Bühler Baum und Garten gibt es folgende Stufen auf dem Weg in die Ausbildung:

  • Vorauswahl aufgrund der eingereichten Bewerbung. Diese Aufgabe übernimmt eine Person aus der Geschäftsführung. Aufgrund der derzeit starken Bewerberzahl werden Bewerbungen aus dem Ausland grundsätzlich nicht bearbeitet. Für den Ausbildungsbeginn September 2025 hatten wir in den vergangenen 12 Monaten 43 Bewerbungen erhalten.
  • Persönliches Vorstellungsgespräch im Betrieb. Etwa 10 Personen haben wir zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch in die Firma eingeladen. Nach einem Firmenrundgang folgt dann der weitere Austausch im Besprechungszimmer. Insbesondere bei nicht volljährigen BewerberInnen ermöglichen wir auch die Teilnahme von Eltern, sofern sie sich im Gespräch zurückhalten. In der Regel mündet dieses Gespräch dann in ein Praktikum ein. Von den 43 BewerberInnen haben 9 ein solches Praktikum absolviert.
  • Auswahlpraktikum für AusbildungsbewerberInnen. Das Praktikum dauert in der Regel eine Woche. Im Einzelfall kann es auch mal nur 2-3 Tage dauern, in anderen Fällen bieten wir eine zusätzliche Woche an. In diesem Prozess geht nun die Entscheidungsgewalt über an das Team. Wir bekommen während der Praktikumswoche 3-5 schriftliche Rückmeldungen mit dem bewährten Rückmeldebogen für PraktikantInnen. Anhand von 12 Punkten wie „sieht die Arbeit“, „Interesse am Betrieb/Beruf“ oder „kann Anweisungen umsetzen“ werden die Personen bewertet und dann mit „Ja“, „Nein“ oder „sollte nochmals kommen“ eingruppiert. Nur wenn wir eine klare Zustimmung aus dem Team erhalten, geben wir eine Zusage für die Ausbildung. In dem zurückliegenden Prozess haben 3 von 9 KandidatInnen das OK erhalten.

2025: ein neues Tool für den Bewerbungsprozess

Im September 2025 standen wir vor der Aufgabe, dass wir vier Azubibewerbungen hatten, jedoch nur für maximal zwei Personen in den Herbstferien einen Praktikumsplatz zur Verfügung stellen konnten. Somit war es notwendig einen stärkeren Fokus auf die Vorstellungsgespräche zu legen und hier tatsächlich zu einer Auswahl zu kommen. Diese Gespräche wurden von zwei Personen gemeinsam geführt, um unterschiedliche Blickwinkel zu haben und einen anschließenden Gedankenaustausch zu ermöglichen. Außerdem haben wir im Vorfeld einen kleinen Fragenkatalog erarbeitet „Fragen für Vorstellungsgespräch Azubis“. Hier ging es darum, einen Leitfaden zu haben, an dem wir entlang gehen konnten. Somit wird kein Themenfeld vergessen und die Vergleichbarkeit der Gesprächsergebnisse verbessert. In den Gesprächen haben wir uns nicht penibel an den Katalog gehalten und am Ende auch nicht alle Fragen zum Einsatz gebracht.

Dieses Vorgehen hat es uns ermöglicht, die zwei geeignetsten KandidatInnen auszuwählen. Das Ergebnis der Gespräche war für die beiden durchführenden Personen glasklar. Wir ersparen dadurch dem Team zwei deutlich weniger geeignete Personen, die sonst womöglich für jeweils eine Woche mitgelaufen wären. Wenn alles gut geht, haben wir zum Ende der Herbstferien beide Ausbildungsstellen besetzt. Wenn nicht, machen wir die Türe nochmals auf für neue Personen, die in den Bewerbungsprozess eintreten möchten.

 

Anmerkung der Redaktion: TOP Ausbildungsbetriebe können den Rückmeldebogen für PraktikantInnen und die Fragen fürs Vorstellungsgespräch Azubis im internen Bereich downloaden.

Albrecht BühlerGründer der Initiative für Ausbildung und Inititative für Gute Arbeit, Diplom-Sozialpädagoge und Buchautor